Bald wird Becchios Mammutbaum-Kunst in Küsnacht stehen
Vor einem guten Jahr musste der Mammutbaum in Küsnacht gefällt werden. Jetzt erweckt der Zumiker Holzkünstler André Becchio das Holz des Riesen zu neuem Leben.
Text und Bilder: Willy Neubauer
Im Wiserholz, da wo sich Füchse und Hasen gute Nacht sagen, steht der alte, ausgediente Kuhstall, in dem Becchio sein Atelier eingerichtet hat. Riesige Stücke des Mammutbaum-Stammes liegen auf der Wiese und weisen den Weg. Mitten in den Stücken ein hellbraun-rotes Objekt: die Wellenbank, die bis nach den Frühlingsferien fertig sein wird. Sie erinnert irgendwie an einen überdimensionierten Zweierbob und wird als Sitzobjekt dienen. Das Wellental ist die Sitz- oder Liegefläche, der Wellenkamm ist die Lehne. «Die Bank ist das zweite Objekt aus dem Holz des Mammutbaumes», erläutert Becchio, «ein Stehtisch ist bereits in der Andachtsecke der reformierten Kirche Küsnacht platziert». Wo die Bank, die hoffentlich von vielen als Sitzgelegenheit benutzt werden wird ihren Platz findet, weiss Becchio noch nicht. «Die Findungskommission der Kirchgemeinde wird darüber beschliessen», erklärt er. Der Künstler muss die Bank noch fertig schleifen und dann mit Öl behandeln, damit sie wetterfest ist. «Wenn ich das Holz lackiere, kann es nicht mehr atmen», erklärt er. Dann fehlen nur noch die vier grossen Tropfen, die er mit seiner Motorsäge bis zu den Sommerferien aus den vier Stammrugeln gestalten wird. Wellenbank und Tropfen erinnern daran, dass Küsnacht eine Seegemeinde ist, die Tropfen stehen ausserdem als Zeichen für die Fruchtbarkeit – ohne Wasser kein Leben.
Vom Raumschiff bis zu Madonna
Becchio, der in Zumikon zu 85 % als Jugendarbeiter tätig ist, hat während seiner sozialpädagogischen Ausbildung seine Vorliebe für das Holz entdeckt und ist begeistert von der Qualität des Mammutbaum-Holzes. «Es lässt sich viel einfacher bearbeiten als zum Beispiel Eichenholz, ist aber sehr resistent gegen äussere Einflüsse. Ausserdem sind die Rottöne ganz unterschiedlich, sie reichen von hellrot bis violett, das gibt spannende Effekte», erzählt Becchio. Seine Begeisterung für die Baumriesen hat dazu geführt, dass er auch den Mammutbaum, der kürzlich in Wädenswil gefällt werden musste, gekauft hat. «Was ich damit machen werde, weiss ich noch nicht», schmunzelt er, «aber ich habe hier ja genug Platz, um ihn erst mal zu lagern». Wo wird denn die Wellenbank aufgestellt in Küsnacht? Die Kommission der Kirchenpflege wird bis im April den Standort festlegen und der Bevölkerung kommunizieren» meinen Marianne Guggenbühl, die für das Ressort Öffentlichkeitsarbeit der Kirchenpflege zuständig ist.
Rund um den Kuhstall, der zum Schaustall geworden ist, stehen hölzerne Objekte. Einen Stamm mit drei Astgabeln wird er zu einem Raumschiff gestalten und bunt bemalen. Aus dem Blatt eines Stammes wird eine Madonna entstehen. Becchio fragt die Bauern der Umgebung, ob sie ihm gefällte Bäume überlassen und geht an Flüsse und Seeufer, um Schwemmholz zu sammeln. Von Ende Juni bis Anfangs Oktober ist er an der arTosa, einer Skulpturenausstellung in Arosa vertreten. Der Vater einer 7-jährigen Tochter hat noch viele Ideen und Pläne.
>>top