Herzlichen Glückwunsch zum 100. Geburtstag
Am Samstag, 16. Mai feierte Sophie Bajde zu Hause in ihrer Wohnung ihren 100. Geburtstag. Die rüstige Betagte erfreut sich guter Gesundheit und nimmt noch regen Anteil am Leben.
Text: Willy Neubauer
Bild: Michael Trost, Uetikon a/S
Der Schwiegersohn öffnet die Tür und die ganze Delegation betritt die Wohnung der betagten Dame. Gemeindepräsident Hermann Zangger überbringt die Glückwünsche der Gemeinde und den obligaten Blumenstrauss, dabei wird er von Gemeindeschreiber Thomas Kauflin assistiert. Die Jubilarin freut sich sichtlich und lässt das Blitzlichtgewitter der Fotografen mit grösster Gelassenheit über sich ergehen, so, als ob das alltäglich für sie wäre. Da sitzt sie nun in der geräumigen Stube und freut sich über den Besuch. Sophie Bajde, geboren am 16. Mai 1909, rüstig, mit wachen, lebhaften Augen im noch immer schönen Gesicht. Was hat sie alles erlebt in diesen 100 Jahren. Geboren in Österreich, in Kärnten, wo die k.u.k.Monarchie regierte – die Sissi-Filme lassen grüssen – kam sie 20-jährig in die Schweiz und heiratete einen Mann aus dem Emmental. Dieser Ehe entsprossen zwei Kinder: ein Sohn, der vor neun Jahren starb und eine Tochter, die bekannte Schauspielerin Sylvia Lydi, die auf österreichischen und deutschen Bühnen grosse Erfolge feierte. Und die, mit ihrem Mann Nikolaus Wilczek, 1982 das Dortheater Zumikon gründete und dort auch Regie führte, während er als Präsident die Fäden des Dorftheaters Zumikon zog.
Schöne Erinnerungen an die Jugend
Jetzt wird mit einem Gläschen Sekt aus ihrer ursprünglichen Heimat auf die Jubilarin angestossen und ein wenig aus ihrem Leben erzählt. Die alte Dame wohne noch immer alleine in ihrer Wohnung, erklärt Lydi. «Ich wohne aber direkt im Haus nebenan», fährt die Tochter fort, «und kann mich so um meine Mutter kümmern. Ohne die grossartige Hilfe der Spitex wäre das aber nicht möglich», merkt Lydi an. Sie hoffe, dass sie im Alter einmal ebenfalls auf diese Dienste zählen dürfe. Die Jubilarin erinnert sich gerne an ihre eigene Jugend. Mit 12 Geschwistern, sie war das fünfte Kind, war viel Betrieb garantiert in einer gegenüber heute ruhigeren Zeit. Man stelle sich das vor – praktisch keine Autos, dafür Pferdefuhrwerke, kein Fluglärm, kein Computer, kein Handy. Gerne erinnert sich die Jubilarin auch an die Zeit, als sie im Coop gearbeitet hat. In dieser Zeit haben die Frauen in weissen Arbeitskitteln die Kunden hinter dem Tresen bedient und Mehl und Zucker abgewogen. «Wir mussten alles im Kopf ausrechnen, es gab keine Kassen wie heute», erklärt die Betagte – Kopfrechnen hält offensichtlich jung. Die Tochter erzählt, dass sie die Mutter jeden Abend vor dem Schlafengehen besucht. Und die erzählt ihr dann Reminiszenzen aus ihrer Jugend, an die sich die Tochter kaum mehr erinnert. Und auch um die Gesundheit stehe es gut, gibt die Jubilarin Auskunft, nur kalte Füsse habe sie, weil sie sich zu wenig bewege. Es wird Zeit, aufzubrechen. Die Familie ist bei Enkel und Urenkel, die auch in Zumikon wohnen, zum Mittagessen eingeladen. Als die Worte Enkel und Urenkel fallen, beginnen ihre Augen zu strahlen.
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