Der «Don Quichot» von Zumikon
«Flinke Feder», oder «Lokalpoet» wird Dres Corrodi in Zumikon genannt. Am Mittwoch las er aus seinem reichen Fundus an Gedichten. Der junge Alexander Boldachev begleitete ihn dabei meisterhaft auf seiner Harfe.
Text und Bilder: Willy Neubauer
In Zumikon ist er weitherum bekannt: Dres Corrodi, Gynäkologe im Ruhestand und Poet, der es schon geschafft hat, an einer GV des Tennisclubs mit seinem Resümee in Versform schneller fertig zu sein als der Präsident mit dem Verlesen seines Jahresberichtes. Nebst den hunderten von Kommentaren in Versform nimmt er aber auch mit seinen mehr als 100 «ernsthaften» Gedichten Lokales und Internationales aufs Korn, beschreibt liebevoll die kleinen Ticks angeblicher Grössen und schmunzelt durchaus in Versform über sich selbst. Wie beispielsweise im Gedicht «Don Quichote», wo er durchaus eine gewisse Verwandschaft zum Mann von La mancha erkennt. So lautet denn der Schlussvers auch: «Es ist la mancha nicht der Ort// Wo ich zuhause bin und wohn//Ich bin deshalb, darauf mein Wort//Der Don Quichot von Zumikon».
«Gerry Maus» war gerührt
Corrodi wäre nicht Corrodi, wenn er die Harfe nicht gleich poetisch abgehandelt hätte. So zierte denn die Einladung ein Gedicht, das so beginnt: «Man hört sie in Ägypten schon//Einst vor der Pharaonen Thron//Sie war bekannt in Babylon... Und natürlich wurde auch seine Frau Gerry – genannt «Gerry-Maus» - liebevoll in Versform verewigt, was sie sichtlich gerührt zur Kenntnis nahm. Im bis auf den letzten Platz gefüllten Kirchgemeindesaal herrschte atemlose Stille, wenn Corrodi las. Unterbrochen wurde die Stille nur, wenn der Dichter und Denker zur nächsten Pointe führte und jemandem den Spiegel vorhielt. Urs Reinshagen, Präsident des gastgebenden Kulturkreises freute sich über eine überaus erfolgreiche Veranstaltung mit viel Publikum, das am anschliessenden Apéro angeregt über die treffenden Pointen diskutierte.
Sphärische Klänge
Den Anlass vollends zum Genuss werden liess Alexander Boldachev mit seiner Harfe. Der junge Russe entlockte seinem riesigen Instrument Klänge, die nicht von dieser Welt schienen. So half er mit, den Spannungsbogen aufrecht zu halten, während sich der Dichter eine Pause gönnte. Boldachev interpretierte Auszüge aus den Werken von Debussy, Tschaikovsky, Prokofiev oder Connesson. Es war ein Genuss zu sehen, wie seine Hände das Instrument liebkosten. Und es war ein Genuss, den sphärischen Klängen zu lauschen. Um kurz darauf wieder über die unerbittliche Logik von Corrodis Schlussfolgrerungen zu schmunzeln. Da hat der Kulturkreis den Zumikern einen Abend geschenkt, den man nicht so schnell vergessen wird. Und der die rund 80 Zuhörer restlos begeisterte.
Hier gehts zur Bildgalerie
>>top