Der alte Brauch soll überleben
Im Herbst fand in Zumikon ein Ereignis statt, dessen Ursprung 330 Jahre zurückliegt: das Hochzeits- und Ehrengabenschiessen. 52 Tellensöhne und –Töchter haben teilgenommen – es ging um Preise im Gesamtwert von mehreren Tausend Franken.
Text und Bilder: Willy Neubauer
1681 lautet das Gründungsjahr der Gemeind-Schützengesellschaft, die damals von den Bewohnern der Weiler Zumikon, Gössikon und Waltikon gegründet wurde, die alle zu Zollikon gehörten. Die Schützengesellschaft ist also älter als die politische Gemeinde Zumikon. «Zu wüssen und thun Kundt seig Alen mäniklich mit dysem Schützenbuch was es sich zugetragen hat zwüschen der Gemeind Zoliken und der Gemeind des Berges halbem zu Zumiken Woldiken den Höften und Gösiken des Schüsens halb da dann die for bedachten Gemeind uff ein Zielschaft zusammen gen Zoliken Gehört händ». So beginnt das Gründungsprotokoll der Gemeind-Schützengesellschft Zumikon, das vor 330 Jahren festgelegt wurde. Grosszügig unterstützt wurden die Schützen von der reichen Stadt Zürich, für welche die schiesskundigen Bauern in den Dörfern vor der Stadt einen ersten Verteidigungsring bildeten. Die Stadt spendete dem Anlass Preise, etwa Wams und Hosen aus gutem Tuch, die sich die mausarmen Bauern sonst nie und nimmer leisten konnten. Denn hätte zu jener Zeit schon ein Finanzsausgleich existiert, wäre Zumikon (und andere Gemeinden der Goldküste) dankbare Empfänger – und nicht spendable Geber wie heute gewesen.
Die «Schwarze Liste»
In alten Zeiten mussten Einwohner, die seit dem letzten Schiessen geheiratet hatten oder neu zugezogen waren, einen Preis für das nächste Hochzeits- und Ehrengabenschiessen spenden. Wer dem nicht nachkam, wurde auf die «Schwarze Liste» gesetzt und hatte einige Zeit nichts zu lachen. Die Zeiten haben sich geändert. Heute zählen Zollikon, Zumikon und Co. Zu den grossen Gebern im Finanzausgleich. «Spenden und Gaben von Privaten, Neuzuzügern und dem Gewerbe fliessen reichlich», erklärt Heiri Schweizer, Präsident der Gemeind-Schützengesellschaft, «aber die Leute kommen nicht mehr an den Anlass». Immerhin schossen heuer 52 Teilnehmer, das sind immerhin sechs mehr als bei der letzten Austragung vor fünf Jahren. Denn das Hochzeits- und Ehrengabenschiessen findet nur alle vier bis sechs Jahre statt. Es müsste sich dieses Jahr also ungefähr um die 66. Austragung gehandelt haben. Wer in den alten Schützenbüchern stöbert findet die Namen von Geschlechtern, die noch heute in Zumikon ansässig sind.
Auch Frauen schiessen mit
Während am Anfang mit Feuersteinflinten und später mit Langgewehren geschossen wurde, kommen in der Neuzeit natürlich moderne Waffen zum Einsatz. Und seit der Einführung des Frauenstimmrechts wurden die Statuten dahingehend geändert, dass auch Frauen mitschiessen dürfen, wozu es allerdings zwei Vorstandssitzungen, eine Gemeinderatssitzung und eine Abstimmung an der Gemeindeversammlung brauchte. Die Bedeutung des Vereins zeigt sich auch darin, dass der Vorstand nicht von den Mitgliedern, sondern vom Gemeinderat gewählt wird. Heute leiten Heiri Schweizer (Präsident), Matthias Rüegg (Aktuar) und Roland Dietschi (Schützenmeister) den Verein. Dafür hat dieses Jahr eine Frau, nämlich Doris Frei, mit 58 von 60 möglichen Punkten gewonnen, während ein Mann, nämlich der Schreibende, zusammen mit zwei anderen «Scharfschützen» den letzten Rang belegt (Füchse, Hasen und Rehe in der Umgebung des Schiessstandes haben zum Glück überlebt). Zweiter wurde übrigens Rudolf Rüegg, während Präsident Schweizer den ehrenvollen vierten Rang belegte. Gemeindepräsident Hermann Zangger lag mit Rang 20 im vorderen Teil des Feldes, während die Gemeinderäte Matthias Rüegg (23) und Thomas Hagenbucher (32) ehrenvoll abschnitten. Marc Bohnenblust, der als neues Mitglied des Gemeinderates sein Amt kürzlich angetreten hat, landete auf Platz 38.
Präsident Heiri Schweizer wünscht sich in Zukunft mehr Teilnehmer, damit der alte Brauch des Hochzeit- und Ehrengabenschiessens nicht aussterben muss.
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