«Lämpe» im Altersheim
«Zuefäll git’s» heisst das Stück, das die Seniorenbühne St. Gallen den Senioren von Maur und Zumikon im Loorensaal bot. Es handelt vom ganz normalen Alltags-Wahnsinn im Altersheim.
Text und Bilder: Willy Neubauer
Beim Blick ins Altersheim, den das Senioren-Theater St. Gallen mit dem Stück «Zuefäll git’s» im Loorensaal bietet, öffnen sich die Abgründe des täglichen Lebens. Da treffen die zickige «Mehr Bessere» Melanie von der Crone (ob das «von der» wohl echt ist?) mit ihrer Kumpanin Elvira Eggenberger, der Fitnessbesessenen, die sich von Müesli und Saft ernährt, auf das nette Grosi Dora Ambühl, die im Kreis 4 aufgewachsen ist. Da fällt die Hypochonderin Silvia Benteli-Walker immer wieder in Tiefschlaf. Und stolpert Sophie Schneebeli, die auf einen freien Platz im Altersheim wartet immer wieder zum Bücherregal im Heim um sich ein neues Buch auszuleihen. Und da nimmt sich auf der Männerseite der joviale Herbert Zollinger, der der Damenwelt nicht abgeneigt ist, dem Neuling Gottfried Meierhans an, der seinerseits argwöhnisch von Emil Knüsli, «Tüpflischiisser» und SVP-Mann beobachtet wird. Am Schluss taucht dann auch noch Alex Neuenschwander, Witzbold und Lebemann auf. Während Hauswart Mato Blascevic während der Mittagsschläfchenzeit den Rasen mäht und so den Unmut der Bewohner auf sich zieht. Über all dem steht Leiterin Hilde Diener, die versucht, es allen recht zu machen.
Gestörter Frieden
Der Frieden in der Seniorenresidenz wird vom Neuen Gottfried Meierhans gestört. So sieht es zumindest die von der Crone, die bestimmt, was gut und richtig ist. Ihr ist der Neue suspekt, er macht einen unheimlichen Eindruck auf sie. Also beschliesst sie, ihn zusammen mit der Fitnesstante zu mobben und schreibt einen Brief an den Verwaltungsrat der Residenz, den alle unterschreiben sollen. Damit gerät sie aber bei Dora Ambühl an die Falsche, deren im Kreis 4 gestähltes, soziales Gewissen sich diesem Ansinnen widersetzt.
Dies alles spielt sich in einem liebevoll gestalteten Bühnenbild ab, das mit einfachen Mitteln das Innenleben des Alterheims perfekt wiedergibt. Das ist gar nicht so einfach, weil das Senioren-Theater ja eine Wanderbühne ist, die von Aufführungsort zu Aufführungsort zieht: die Kulissen müssen also schnell auf- und abgebaut sein und dürfen für den Transport nicht zu viel Platz beanspruchen.
Augenaufschlag und Balkonszene
Das Schicksal nimmt seinen Lauf. Schneebeli, die Wartende, überrascht Zollinger, der gerade ein Bild malt. Das stattliche Mannsbild wirkt offensichtlich anziehend auf sie. Wie sie ihn vor seinem Bild anhimmelt und den etwas eingerosteten Augenaufschlag übt, ist nicht nur berührend, sondern grossartig gespielt. Und weil sich herausstellt, dass er früher Theater gespielt hat und sie Souffleuse war, üben sie gleich die berühmte Balkonszene aus Romeo und Julia, was einen weiteren Höhepunkt des Nachmittags darstellt.
Inzwischen hat die «Von der» ihren Brief fertig, in dem sie im Namen aller Bewohner fordert, dass Meierhans die Altersresidenz verlassen müsse. «Tüpflischiisser» Knüsli gibt das Schreiben Meierhans zur Unterschrift, dessen Welt beim Lesen zusammenbricht. Nach einigen Irrungen und Wirrungen erfährt Meierhans per Mail, dass ihm sein Sohn in New York einen Enkel beschert hat. Und als die von der Crone erfährt, dass ihre Tochter, die in Amerika lebt, sie zur Grossmutter gemacht hat, steuert das Stück direkt aufs Happy End zu. Die zwei frischgebackenen Grosseltern versöhnen sich.
Stück ist angekommen
«Zuefäll git’s» zeichnet ein amüsantes Bild aus dem Leben im Altersheim, ist glaubhaft gespielt und hat die Senioren altersgerecht unterhalten. Peter Manchmal waren die Anschlüsse bei den Dialogen zu lang, hing das Stück etwas durch. Hans Zimmemann, 80, aus Zumikon hat sich prächtig amüsiert. Das Stück ist unterhaltsam, das Thema beschäftigt die alten Leute, ob man nun schon im Altersheim ist, oder bald dort hinziehen wird. Sie haben hochklassig gespielt, eine Mischung zwischen Profis und Amateuren. Marianne Hostettler, die altersbeauftragte von Zumikon ist zufrieden: «Gutes Stück, gute schauspielerische Leistung der Senioren, gutes Gedächtnistraining der Spieler, die alle im Senioren-Alter sind. Dass der allgemeine Tenor des Publikums darauf hinaus geht, dass den Senioren von Maur und Zumikon viel geboten wird, wird sie freuen. Und auch Giacomo Nett, Präsident der Seniorenkommission Maur wird das gerne hören. Nächstes Jahr wird Zumikon wieder Gastgeber sein.
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