Der ruhende Pol im Klassenzimmer
Senioren im Klassenzimmer: Zumikon sucht Seniorinnen und Senioren, die einen halben Tag pro Woche in «ihrer» Klasse die Lehrperson entlasten und einfach für die Kinder das sind. Als Grosseltern auf Zeit, sozusagen.
Text und Bilder: Willy Neubauer
Im Turnen hat es «Lämpe» gegeben. Zwei Mädchen sind beim Kampf um den Ball aneinander geraten. Die Klasse diskutiert aufgeregt. Praktikantin Manuela Lüscher versucht, dem Geschehen auf den Grund zu gehen. Hans-Peter Hugener steht ruhig da und begrüsst die Kinder mit Handschlag. Es ist eine ADL-Klasse, die er als Senior begleitet. Das heisst, Erst-, Zweit- und Drittklässler werden im gleichen Zimmer unterrichtet. «Der Senior ist eine wirkliche Hilfe, die Kinder schätzen ihn sehr, weil er sich die Zeit nehmen kann, die der Lehrperson vielfach fehlt», erläutert Schulleiterin Birgit Hoentzsch am Orientierungstag im Kirchgemeindesaal, an dem sich einige interessierte Senioren über das Erfolgsmodell Senioren im Klassenzimmer informieren.
Im Schulzimmer hat sich die Aufregung gelegt. Lüscher liest das Märchen vom Froschkönig vor. Die entsprechenden Illustrationen hat sie vor sich auf den Boden gelegt. Senior Hugener zeigt auf die entsprechenden Bilder. Dann werden die Arbeiten verteilt. Die Kleinsten malen ein Bild aus der Geschichte. Die Grösseren schreiben eine Zusammenfassung des Gehörten und setzen dies mit einer Zeichnung um.
Zuhören, unterstützen, kontrollieren
Jetzt schlägt Hugeners Stunde. Er unterstützt die Kinder bei der Arbeit – bringt Verbesserungsvorschläge. Die Kinder fragen ihn, ruhig und überlegt antwortet der Senior. Hugener, 67, war im Berufsleben Chemiker. «Meine Frau hat mich seinerzeit motiviert, mich zu melden», erzählt er. «Wahrscheinlich befürchtete sie, dass ich ihr nach der Pensionierung auf die Nerven gehen würde, wenn ich keine Aufgabe mehr hätte», meint er schmunzelnd. Die Kinder haben ihn völlig akzeptiert, könnten sich den Donnerstag-Vormittag ohne ihn wohl kaum mehr vorstellen.
Die Senioren würden die Lehrperson selbstverständlich nicht ersetzen, meint Marianne Hostettler von der Senioren-Betreuung in Zumikon. Für das Pädagogische seien ausschiesslich die Lehrpersonen zuständig. Aber in der heutigen Zeit, in der die meisten Kinder ihre Grosseltern nur periodisch sehen, sei der Kontakt mit älteren Menschen auch für die soziale Entwicklung der Kinder wertvoll.
Kontakt für interessierte Seniorinnen und Senioren: Marianne Hostettler, 044/918 10 17.
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