Die Kirche ist wieder im Dorf
Im Mai letzten Jahres präsentierte sich die katholische Kirchgemeinde Zollikon/Zollikerberg/Zumikon nach einem Putsch als Scherbenhaufen. Jetzt ist ein neuer Pfarrer gewählt, die Kirche wieder im Dorf.
Text und Bilder: Willy Neubauer
Heinz Meier heisst der neue Pfarrer der Pfarreien Heilige Dreifaltigkeit und St. Michael in der Kirche im Zollikerberg. Er wird ab 2. August 2011 seine Schäfchen von Zollikon, Zollikerberg und Zumikon geistig betreuen. Man erinnere sich: im Frühsommer letzten Jahres putschte die IG St. Michael gegen die gewählte Kirchenpflege – der Streit zwischen Diakon Sowinski und Pfarradminstrator Albin Keller hatte seinen Höhepunkt erreicht. Die IG unterlag an der Urne, Sowinski musste gehen. Eine Pfarrwahlkommission wurde eingesetzt. Die Kommission hat gut und schnell gearbeitet, bereits einige Monate später schlägt sie einen neuen Pfarrer zur Wahl vor. Heinz Meier, momentan Pfarrer in Chur, wird Anfangs August sein neues Amt im Zollikerberg antreten, ab dann zieht sich Pfarradminstrator Albin Keller von seiner seelsorgerischen Tätigkeit zurück.
Der Neue
Heinz Meier Jahrgang 1954, ist ein erfahrener Priester. In Luzern geboren, wuchs er in Küssnacht a. Rigi und in Kiesberg/SO auf. Das Lehrerseminar in Solothurn und das Konservatorium Luzern führten in schliesslich zum Philosophie- und Theologiestudium an die Universität Fribourg, das er 1987 mit dem theologischen Lizentiat abschloss. 1988 wurde er zum Priester geweiht. Der grossgewachsene, hagere Meier strahlt Ruhe und Verständnis für die Mitmenschen aus und wird in der Kirchgemeinde zweifellos den ruhenden Pol und ideale Ansprechinstanz bilden. Meier ist die zürcherische Mentalität nicht fremd, hat er doch einige Jahre als Vikar in Dielsdorf gewaltet. Dass Kommunikation seine Stärke ist, konnte man am Apéro nach der Wahl beobachten, wo er sofort Kontakt zu den Mitgliedern seiner Gemeinde fand und auf sie einging.
Aufwändiges Suchprozedere
Erich Schneider, Präsident der katholischen Kirchenpflege, ist glücklich, dass seine Gemeinde eine solche Persönlichkeit gefunden hat. «Acht Kandidaten haben sich auf unsere Ausschreibung gemeldet», erklärt Schneider, «zwei davon waren keine Priester, kamen also nicht in Frage». Aus den übrigen Bewerbern habe sich die Pfarrwahlkommission dann für Heinz Meier entschieden, er sei der Kandidat mit den besten Qualifikationen gewesen und habe den Anforderungen geradezu perfekt entsprochen. Obwohl sich Meier eigentlich gar nicht für die Stelle interessiert hätte – ein Freund habe ihn auf die Ausschreibung aufmerksam gemacht und ihn aufgefordert, sich zu melden – sei die Kirch gemeinde froh, dass er im Sommer von Chur nach Zollikerberg ziehe. Denn die Kommission sei überzeugt davon, dass man die ideale Lösung für die Pfarrei gefunden habe, meint Schneider im Gespräch mit dem Küsnachter. Und er ist überzeugt, dass mit dem neuen Seelsorger der Frieden in der Kirchgemeinde wieder einziehen werde. Damit in Zukunft wieder alle Gemeindemitglieder an der Kirchgemeindeversammlung teilnehmen. Und nicht, wie am Samstag beobachtet, einige Gläubige nach dem Gottesdienst die Kirche verlassen.
Die Wahl ohne Qual
Dauerte die denkwürdige Kirchgemeindeversammlung im Frühsommer noch mehrere Stunden und endete erst nach Mitternacht, so drückten die 120 anwesenden Stimmberechtigten am Samstag aufs Tempo. Nach rund 10 Minuten war die Versammlung zu Ende, Heinz Meier einstimmig gewählt. In sechs Jahren steht die nächste Pfarrwahl an – treten dann nicht neue Kandidaten an und ist der neue Pfarrer bereit, sein Amt weiterzuführen, wird er in stiller Wahl bestätigt. So können Gemeinde und Pfarrer genügend lange prüfen, ob sie «kompatibel» sind. Beim abschliessenden Apéro bewies Meier dann, wie leicht es ihm fällt, in Kontakt mit den Gemeindemitgliedern zu treten. Da scheinen sich zwei Parteien gefunden zu haben, um die gemeinsame Zukunft positiv zu gestalten.
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