Gemeindeversammlung Zumikon als «unendliche Geschichte»
Rekordverdächtige 549 Stimmberechtigte, also mehr als 10 % der Bevölkerung Zumikons, zwängte sich am 8. Dezember in den hoffnungslos überfüllten Gemeindesaal zur Gemeindeversammlung, um ihren demokratischen Rechten und Pflichten nachzukommen. Dabei hatte die Schule den strittigsten Punkt der Traktandenliste, die Abstimmung über das neue Schulzentrum Farlifang, zurückgezogen.
Text: Willy Neubauer
Ein Teil der Stimmberechtigten erlebte die Gemeindeversammlung stehend. Weitere Interessierte sassen auf den Treppen, die zum Gemeindesaal führen. Wer früh genug gekommen war und sich einen Stuhl ergatterte, hatte Glück. Und auch das Pressetischchen war hoffnungslos überfüllt. Die Vertreterinnen von NZZ und Zürichsee-Zeitung und die Journalisten vom Tagi und dem Küsnachter sassen dicht an dicht. Kurz nach 19 Uhr eröffnete Gemeindepräsident Hermann Zangger die Versammlung, obwohl noch immer Leute hineinströmten. Die Crew der Stimmenzähler konnte einem Leid tun ob all des Gewusels, das herrschte. Und dann eröffnete Schulpflege-Präsident Martin Kessler die Versammlung mit einem Paukenschlag: Die im Dorf heiss diskutierte Vorlage für das geplante Schulzentrum Farlifang , die von der Schule wegen eines vermeintlichen Verfahrensfehlers kurzfristig von der Traktandenliste gestrichen wurde, war rechtens, wie es der Schule am Freitag zur Kenntnis gebracht wurde. Der Termin war aber so knapp, dass man den Stimmbürger nicht mehr hätte informieren können, deshalb habe man den Entscheid auf die Gemeindeversammlung vom April 2010 vertagt, meinte Kessler. Also ging es beim ersten Geschäft um den Ausbau der Tiefgarage für 3,45 Mio., das eigentlich als zweites Geschäft traktandiert war. Der Ausbau sollte auch Lehrerparkplätze für das Schulzentrum bieten und ganz allgemein das, gemäss Gemeinderat, in Spitzenzeiten überlastete Parkhaus entlasten sollte, meldeten sich die Gegner des Schulzentrums zu Wort. Ihr Sprecher Walter Kunz hatte sich während einer Woche als Parkplatzzähler betätigt, seine Arbeit belegte, dass die Garage nur in Ausnahmefällen, wie beispielsweise an diesem Gemeindeversammlungs-Montag nicht genügend Kapazität habe. Und nachdem auch die RPK unter Führung von Ivo Wegmann den Mehrbedarf im Augenblick nicht sah und den Baukredit ablehnte, wurde der Antrag der Gemeinde klar gebodigt.
Gewerbezone mit Kompromiss
Die Begrenzung der Ladenflächen im Gewerbegebiet Schwäntenmos war dann wieder heiss umkämpft. Die Initiative von Hugo Rhiner schlug vor, die Ladenfläche auf 1500 m2 zu beschränken, was der Garage Schweizer erlaubt hätte, ihr Grundstück mit der Garage einer Investorengruppe zu verkaufen, die darauf einen Coop-Supermarkt und einem Zopfbeck Raum für die gewünschten Verkaufs- und Produktions-Flächen bieten wollte. Der Vorschlag der Gemeinde wollte die Fläche auf 500 m2 beschränken, um den Verkehr rund um den Kreisel in den Griff zu bekommen und um das lokale Kleingewerbe zu stärken. Jetzt kam der Auftritt von Peter Wolfensberger. Der Zumiker, der früher in dieser Gegend der Firma Wolfensberger-Kartonagen vorgestanden war, schlug vor, auf dem Areal der Garage Schweizer eine Verkaufsfläche von 1500 m2 vorzusehen und im restlichen Gewerbegebiet die Fläche auf 500 m2 zu beschränken. Der Souverän hiess diesen Vorschlag mit grosser Mehrheit gut, obwohl Zangger darauf hinwies, dass er problematisch sei, weil damit im Schwäntenmos gewisse Landparzellen bevorzugt würden. Es wird also am Kanton liegen, ob die gewählte Variante auch realisiert werden kann. Und am Gemeinderat, bei einem Ja die notwendigen verkehrstechnischen Massnahmen zu treffen.
Restliche Geschäfte zügig erledigt
Die Totalrevision der kommunalen Polizeiverordnung
(Anpassung an den regionalen Polizeiverbund, in den Zumikon eingebunden
ist), ging reibungslos über die Bühne. Und kurz vor Mitternacht stellte
Finanzminister Rolf Zimmermann wie gewohnt eloquent das Budget vor und
brachte die Steuererhöhung der politischen Gemeinde von 3% beinahe
einstimmig über die Bühne. Beeindruckend seine Folie der fetten Kuh
Zumikon, deren grosse Milchleistung (Gebergemeinde) so stark in das
Nehmerkesseli des Finanzausgleiches fliesse, dass man die Kuh so brutal
ausmelken müsse, dass sie vor Schmerzen am ausgequetschten Euter beim
Melken um sich schlage.
Die Steuererhöhung der Schulgemeinde wurde, trotz
Ja-Empfehlung der RPK bachab geschickt. Das sah stark nach einem Schuss
des Souveräns vor den Bug des Projektes Schulzentrum Farlifang aus. Und
kurz vor Mitternacht war die unendliche Geschichte einer denkwürdigen
Gemeindeversammlung zu Ende. Dem traditionell von einer Ortspartei
offerierten Apéro leisteten noch einige Versammlungsteilnehmer folge,
während sich der Hauptharst müde auf den Heimweg machte. Wäre auch das
Geschäft des Schulzentrums behandelt worden, wäre der Apéro wohl zu zum
Katerfrühstück mutiert.
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