Seit 50 Jahren ist die Bibliothek in Zumikon nicht mehr wegzudenken
Die Bibliothek Zumikon ist eine altehrwürdige Institution im Dorf am Chapf. Unabhängig von der Wirtschaftslage wird sie rege frequentiert und ist ein Treffpunkt im Dorfkern, der von vielen gerne besucht wird.
Text und Bilder: Willy Neubauer
Die erste Jugend- und Volksbibliothek Zumikon wurde bereits 1898 gegründet. Der Überlieferung nach wurde sie eifrig benutzt und vom Zumiker Lehrer Sulzberger betrieben. Im Laufe der Zeit veralteten die Bestände aus Mangel an Betriebsmitteln immer mehr – das Werk geriet langsam in Vergessenheit. Im Zumiker-Boten vom Winter 1955 wurde dann konstatiert, dass «Zumikon die einzige Zürichseegemeinde ohne eigene öffentliche Bibliothek sei». Die zuständigen Behörden nahmen sich 1958 der Sache an und entschlossen sich umso schneller zur Verwirklichung, da bei der Realisierung ein namhafter kantonaler Gründungsbeitrag in Aussicht stand. Dazu gilt es zu bemerken, dass, hätte damals bereits ein Finanzausgleich bestanden, Zumikon mit seinen geringen Steuererträgen zu den Nehmergemeinden gezählt hätte.
Soweit, so gut. 1959 wurde die Gemeinde- und Schulbibliothek im damals neuen Schulhaus Farlifang eingerichtet. In einem Raum mit 26 m2 standen 2000 Bücher zur Ausleihe bereit. Im ersten Katalog war unter «Terminüberschreitung» explizit vermerkt, dass «nach sieben Wochen die Bücher gegen eine Gebühr von 1 Franken abgeholt werden»! Soviel zum Thema Gebühren.
17.000 Medien für 5.000 Einwohner
1983 zog die Bibliothek dann ins neu gebaute Gemeinschaftszentrum in die heutigen Räumlichkeiten. Aktuell werden gut 17.000 Medien auf 230 m2 auf zwei Stockwerken angeboten. Und das Angebot wird rege frequentiert. Die Bücher, Hörbücher, Tonbandkassetten. Videos und DVD’s in insgesamt fünf Sprachen verzeichnen 44203 Ausleihungen pro Jahr, was die Bibliothek Zumikon mit knapp 9 Ausleihungen pro Jahr und pro Kopf der Bevölkerung auf den zweiten Rang im Bezirk Meilen hinter Uetikon bringt. Diese 44000 Geschäftsbewegungen bewältigen sieben ausgebildete Mitarbeiterinnen mit insgesamt 135 Stellenprozenten. Kein Wunder, dass bei diesen Zahlen ausstehende Medien nicht mehr bei den Säumigen abgeholt werden können. Jährlich werden 1000 – 1200 Medien neu angeschafft und ebenso viele alte Werke ausgeschieden. «Auch Bücher veralten. Was älter als 10 Jahre ist und in den letzten drei Jahren nicht mehr ausgeliehen wurde, legen wir weg», erklärt Doris Franzeck, die langjährige Leiterin der Bibliothek, «die Werke kommen in den Korb, wer will, kann sie mitnehmen. Ausserdem haben wir Bücherkisten an gut frequentierten Orten wie dem Schwimmbad angelegt, aus denen man sich bedienen kann», führt Franzeck weiter aus. Nur die Klassiker sind an keine Altersbeschränkung gebunden. Goethe, Tolstoi oder Hemingway sind also immer zu finden.
Unterhaltsamer Jubiläumsanlass
Die Bibliothek Zumikon ist heute eine generationenübergreifende Stätte der Begegnung, in der durchaus babylonisches Sprachgewirr herrschen kann. Dazu trägt die grosse Vielfalt des Angebotes bei. Alle bekannten Schweizer Autoren sind vertreten. Und dazu kommen Medien in den Sprachen Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch, die alle im Original vorliegen. Auch das Angebot für Kinder ist reichhaltig und wird rege benutzt. Die Bibliothek ist also nicht unbedingt ein strenger Ort der Stille, da dürfen auch Kinder herumtollen. So, wie am Tag der offenen Tür zum 50-jährigen Jubiläum im Juni, wo sich Alt und Jung getroffen haben. Die Kinder um eigene Buchzeichen zu drucken. Claudia Bischofberger vom mobilen Museum «Sammelsurium» gestaltete mit den Kindern Stempel, mit denen sie ihr Buchzeichen designen konnten. Und Remo Crivelli und Imad Barnieh unterhielten die zahlreichen Gäste musikalisch zum Apéro. Crivelli entlockte seinem Hackbrett ungeahnte Töne, die vom Rock über einheimische Volksweisen bis zum arabischen Song reichten, den Barnieh in seiner Muttersprache intonierte und auf seinen teilweise selbst erfundenen Klangkörpern rhythmisch begleitete. Ein spezielles Klangerlebnis, das dem speziellen Anlass angepasst war.
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