Kampf gegen die Kälte, um den Stand und um den Sieg
Am letzten Samstag im Januar kämpften neun Mannschaften auf der Kunsteisbahn Küsnacht beim 20. Gemeinderats- und Kartellturnier im Eisstockschiessen gegen die Kälte. Und um Ruhm und Ehre.
Text und Bilder: Willy Neubauer
Die Sportart heisst wohl «Iisstöckle», weil sie auch bei eisiger Kälte ausgetragen wird. Am letzten Samstag im Januar auf der KEK jedenfalls lief es manchen Spielern gut, manchen weniger gut, aber allen lief die Nase. Unter der Kälte litten auch altgediente Eisstock-Kämpen, denn jede der neun Mannschaften erhielt vom Eisstock-Club Küsnacht-Zollikon einen Coach zugeteilt, der den Laien erklärte, welcher «Schuss» über Sieg oder Niederlage entscheiden könnte. Und unter diesen Coaches halfen auch Champions mit. Zum Beispiel Marlies Zollinger, die mit Bernadette Rölli dieses Jahr den dritten Rang an der Schweizermeisterschaft errungen hat. Oder Thomas Biedermann, der mit Fredy Gross, Fredi Wurz und Herbert Biedermann zweiter im Mannschaftsspiel wurde.
So begaben sich Gemeinderäte und Vereinsmeier aufs Glatteis und bemühten sich krampfhaft, ihre Standfestigkeit zu beweisen, was meistens gelang. Doch hin und wieder ging auch mal einer zu Boden, oder wurde gar von einem Teammitglied mit dem Eisstock abgeschossen.
Elegante Eisprinzessinnen, unsichere «Iisstöckler»
Was für ein stilistischer Unterschied zum Eisfeld nebenan, wo kleine Eisprinzessinnen elegant und scheinbar schwerelos übers Eis gleiten. Aber die müssen ja auch nicht den Eisstock, eine Art umgekehrter Melkstuhl, so nah wie möglich an die Daube, eine Art Eishockey-Puck, platzieren. Beim Spiel um Standfestigkeit, Präzision und dosiertem Schwung zeichnete sich der Gemeinderat von Erlenbach aus, was Präsident Ferdy Arnold bereits vor der Siegerehrung ahnte. «Wahrscheinlich gewinnen wir», meinte er, «wir waren wirklich gut. Ich werde ja immer gefragt, ob ich noch eine Amtsperiode anhänge. Meine Antwort lautet jeweils, dass ich mich Ende Jahr entscheide. Mein grosses Ziel ist, einmal im Leben als Gemeindepräsident dieses Turnier zu gewinnen, dann fällt es leichter, zurück zu treten», schmunzelt Arnold. Inzwischen wird weiter gespielt und weiter gefroren. Die Zuschauer ziehen sich ins Restaurant zurück und beobachten das Geschehen von oben herab bei Kaffee und Gipfeli. Ursula Rasch, Gemeinderätin von Zumikon und Schwiegermutter von Urs Berli, mitspielender Gemeinderat von Erlenbach, wärmt sich mit Tochter und Enkelkindern auf. Noldi Reithaar, Küsnachts Sicherheitsvorstand, hat fürchterlich gefroren. «Seit ich mitspiele, war es noch nie so kalt», bemerkt er, «uns ist es nicht gut gelaufen, aber die gemeindeübergreifende Kameradschaft an diesem Turnier ist eine tolle Sache. Wir hatten kalte Füsse, aber warme Herzen», lautet sein Kommentar.
Bodenheizung nicht angestellt
Der letzte Stock ist gespielt, man trifft sich zum Mittagessen im Cheminéeraum in Zumikon. Matthias Rüegg, Gemeinderat von Zumikon, hat zum ersten Mal mitgespielt. «Der Anlass hat mir super gefallen. Wir haben jetzt mehr als vier Stunden immer gespielt. Am Anfang habe ich mit zuviel Kraft gespielt und war immer zu lang. Hermann Zangger war mit seiner Erfahrung die Lebensversicherung unseres Teams», äussert sich Rüegg zufrieden. Auch Urs Berli, Erlenbachs Bauvorstand findet das Turnier super. «Es war saukalt, die haben die Bodenheizung nicht angestellt und die Fenster geöffnet, aber es hat super Spass gemacht», lacht er. Nach dem Apéro tauen Hände, Füsse und Mienen wieder auf. Hermann Zangger meint «wir waren auf besserem Weg als auch schon, sind gut gestartet und haben nie aufgegeben». Marc Bohnenblust vom gastgebenden Gemeindeverein ist zufrieden. «Die Organisation war gut, das Essen auch. Und als Gastgeber darf man ja eigentlich nicht gewinnen», zieht er sein Resumée. Übrigens – gewonnen hat der Gemeinderat Erlenbach, vor dem Gemeinderat Zumikon, dem Vereinskartell Erlenbach, den Altstöcklern Zollikon, dem Vereinskartell Zollikon, dem Gemeindeverein Zumikon, dem Vereinskartell Küsnacht, dem Gemeinderat Küsnacht und dem Zolliker Gemeinderat.
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