Putsch in Zolliker Kirchenpflege niedergeschlagen
Kürzlich versammelte sich die katholische Kirchgemeinde Zollikon/Zollikerberg/Zumikon, um ihre Versammlung abzuhalten. Die Kirche war randvoll.
Text und Bilder: Willy Neubauer
«So viele Gemeindemitglieder, wie heute erschienen sind, kommen nicht einmal an Weihnachten in die Kirche», meint Erich Schneider aus Zumikon, Präsident der Kirchgemeinde. Um 20.20 Uhr haben alle ein Plätzchen gefunden – er kann die Versammlung eröffnen und begrüsst die Anwesenden. Da unterbricht ihn lautes Hundegebell. Die Frage bleibt unbeantwortet, ob ihn der Hund bloss begrüssen will. Oder ob das Tier der Opposition der IG St. Michael angehört, die der bisherigen Kirchenpflege die Zähne zeigen will. Jahresbericht und Jahrsrechnung werden ohne Gegenstimmen durchgewinkt, alles wartet auf die Wahl der Kirchenpflege, die im geheimen Verfahren bestimmt wird. Die Wahlzettel werden den 354 Anwesenden, das sind immerhin 10 % aller Stimmberechtigten, ausgeteilt, ausgefüllt und in die Urnen gesteckt. Und dann wird in der Sakristei gezählt. Das dauert. Nach geschlagenen 1 ½ Stunden, kurz vor Mitternacht steht das Resultat fest: Die bisherigen Mitglieder der Kirchenpflege werden wiedergewählt, die IG St. Michael hat eine Abfuhr erlitten.
Sowinski muss gehen
Die Kirchgemeinde ist schon seit längerem zerstritten. Diakon Josef Sowinski und Pfarradministrator Albin Keller sind sich seit geraumer Zeit nicht mehr grün und haben die Gemeinde in zwei Lager gespalten. Während die bisherige Kirchenpflege Sowinski weghaben will, plädiert die IG dafür, dass sowohl Sowinski, als auch Keller bleiben sollen. Die Opposition gegen Sowinski war aber offensichtlich zu stark. Präsident Schneider war erleichtert über das deutliche Verdikt – die Bisherigen erzielten alle zwischen 227 und 303 Stimmen, während die Anzahl Stimmen für die IG zwischen 108 und 130 lag. Er wolle alles daran setzen, dass man in Zukunft wieder miteinander, statt gegeneinander arbeite und dass die Mitglieder der unterlegenen IG in die Arbeit miteinbezogen werden, meint der Präsident in seinem Schlusswort. Der Sturz von Sowinski bewog zwei Katechetinnen zum Rücktritt. Sie reichten im Anschluss an die Versammlung ihre Kündigung ein.
Pfarrewahl steht an
Eine Pfarrwahlkommission hilft mit, den zukünftigen Pfarrer zu suchen. Die entsprechende Kommission wird ohne Gegenstimmen gewählt. Neun Mitglieder, je drei vom Zollikerberg, Zollikon und Zumikon werden diese Aufgabe in Angriff nehmen. Aus Zumikon gehören der Kommission Marlies Hausherr, Theres Reinauer und Michael Treis an.
Auch die Rechnungsprüfungskommission wird einstimmig gewählt. Der neu gewählte Präsident, Urs Häfliger, Leiter der Raiffeisenbank Rechter Zürichsee löst Felix Küderli ab, der dieses Amt 25 Jahre lang zu aller Zufriedenheit ausübte.
Kurz nach Mitternacht beendet Schneider die Versammlung und lädt «alle, die noch wollen» zum Apéro ein.
>>top